Google kostenpflichtig

199,95 US-Dollar werden pro indexierter Seite fällig; Unternehmen schreien auf

Nachdem der Google Keyword Planner seit einigen Monaten nur noch im Rahmen einer bezahlten AdWords-Kampagne genutzt werden kann, geht die größte Suchmaschine jetzt noch einen Schritt weiter. Im Rahmen der EU-Datenschutzverordnung wird eine Google-Indexierung ab Mai 2018 für alle Seiten kostenpflichtig. Nutzer reagieren schon jetzt schockiert und sagen den Kampf an.

Google kostenpflichtig: Nach dem Keyword Planner nun auch die Suchmaschine

Die Suchmaschine Google des US-amerikanischen Unternehmens Google Inc. ist die am häufigsten aufgerufene Website weltweit. Über eine Milliarde Nutzer stellen täglich mehr als drei Milliarden Suchanfragen und gelangen so schnell und unkompliziert zu genau den Seiten, die sie benötigen.

Im Laufe der letzten Jahre hat Google zahlreiche Dienste entwickelt und stellt diese kostenlos zur Verfügung. Darunter Google Drive, Google Maps, Google Chrome, Google Analytics und nicht zu vergessen YouTube.

Für viele Nutzer ist Google zu einem unverzichtbaren Werkzeug geworden, sowohl im privaten als auch im Unternehmensbereich. Umso größer ist nun der Aufschrei. Doch die Entscheidung seitens Google steht fest: Die Indexierung bei Google wird kostenpflichtig.

Bedeutung für Website-Betreiber und Kosten

Während heute noch jede beliebige Website von der Suchmaschine indexiert wird und somit auch über Google auffindbar ist, werden die Website-Betreiber ab Mai 2018 zur Kasse gebeten. Auch ein aktives Google-Konto wird dann verpflichtend für alle, wenn sie weiterhin bei Google gelistet werden wollen.

Wie teuer eine Indexierung sein wird und ob sich dies auch unmittelbar auf die Rankings auswirken wird, ist bislang noch nicht eindeutig geklärt. Es ist jedoch von 199,95 US$ die Rede. Ob es sich dabei um eine Einmalzahlung oder gar eine monatliche Rate handelt, bleibt bislang unklar. Mehr Gewissheit wird die kommende Pressekonferenz morgen 19.00 Uhr im Livestream von YouTube bringen.

SEOs und Online-Marketer wollen es schon geahnt haben

„Erst der Keyword-Planer, dann der Rest“, twitterte bereits Affiliate-Experte Torben Rüssel im Dezember des letzten Jahres. Bereits zu dieser Zeit stellte Google die Funktionen des beliebten Tools zur Suchmaschinenoptimierung drastisch ein. Die offizielle Begründung seitens Google lautete, dass „Bots oder Dienste den beabsichtigten Zweck des Keyword Planners missbrauchen.“

Torben Rüssel sieht darin jedoch reine Schikane und einen Angriff auf Affiliates und SEO-Experten, die auf das Tool angewiesen sind. Er selbst habe bereits erfolgreiche Web-Projekte wie www.3kilo-abnehmen-am-ohrläppchen oder www.unglaublich-reich-werden-ohne-arbeit.de aufgebaut und erkennt bei Google ganz klare Muster:

Google Indexierung kostenpflichtig

Auf unsere Nachfrage ergänzte Rüssel:

„Sie füttern uns an, machen uns abhängig und dann nehmen sie uns alles Stück für Stück wieder weg. Erst das Keyword-Tool, dann die Suchmaschinenindexierung. Alles Abzocke!“

Google: Begründung liegt in der EU-Datenschutzverordnung

Google hat sich bereits offiziell zu den Vorwürfen geäußert. Nicht nur eigne Interessen sollen für den Entschluss eine Rolle spielen, sondern auch die ab Mai 2018 in Kraft tretende EU-Datenschutzverordnung. Dass diese auch Auswirkungen auf die Datenkrake Google haben wird, liegt eigentlich nahe.

Zur Erinnerung: Im Zuge der EU-Datenschutzverordnung steht das Sammeln sämtlicher personenbezogener Daten durch Websites wieder zur Debatte. Doch nun betrifft das nicht nur Angaben zur Person, sondern auch das Auslesen der IP-Adresse. Alle Informationen zur EU-Datenschutzverordnung hat die EU-DSGVO nochmal zusammengefasst.

Da auch Google Nutzerinformationen speichert, sobald der User die Plattform benutzt, benötigt die Suchmaschine eine finanzielle Absicherung, so der deutsche Google-Sprecher Rolf Bemmer. Kritiker geben sich damit jedoch nicht zufrieden.

Harsche Kritik seitens Unternehmen und Online-Marketern

Auch Unternehmen reagieren fassungslos auf die neue Entwicklung und fühlen sich überrumpelt. Ohne Google-Indexierung müssen insbesondere reine Online-Dienstleister mit drastischen Umsatzeinbußen rechnen. Bei Twitter und Facebook ist unter #googlebeef von „Verrat“ und „Habgier“ die Rede. Doch Google ist auf die Schmähreden aufmerksam geworden und konterte sehr direkt:

„Wir sind nicht die Wohlfahrt! Und wir müssen auch mal wirtschaftlich agieren. Unsere Dienstleistungen haben wir über Jahre kostenlos zur Verfügung gestellt. Nun wird es Zeit, dass auch wir mal ein kleines Stück vom Kuchen bekommen.“

Kommt jetzt googlex.to?

Ein Großteil der User empfindet die Google-Meldung als Kampfansage und reagiert dementsprechend. So erreichte uns heute folgende anonyme E-Mail aus Leipzig:

„Soll Google doch kostenpflichtig werden.

Wir spiegeln jetzt die komplette Seite und dann ist

das Problem vom Tisch! Schaut mal unter googlex.to.

Viele Grüße von der Insel.“

„Es gibt auch noch andere Suchmaschinen?“

Verbraucherschützer überrascht die Entwicklung nicht. Immerhin ist auch Google ein gewinnorientiertes Unternehmen. Verstörten Nutzern rät die Verbraucherschutzzentrale Deutschland, statt Google auf andere Suchmaschinen zurückzugreifen.

Eine derzeitige Kampagne dazu wirbt mit dem Slogan „Google ist Gott. Aber es gibt andere Götter“ und soll die Nutzung anderer Suchmaschinen bewerben. Die Herausforderung ist jedoch, dass den meisten Usern gar keine weiteren Suchmaschinen bekannt sind.

Bing, Yandex und Co. sehen ihre Chance

Andere Suchmaschinen wie Yandex, Baidu oder Bing, die seit Jahren vom Giganten Google ins Abseits gedrängt wurden, atmen auf und sehen nun ihre Stunde geschlagen. Denn während Google nun den Kostenschalter umlegt, bleiben die deutlich unbekannteren Suchmaschinen nach wie vor kostenlos und sehen sich als attraktive Alternative zu Google. Offizielle Feierstunde der Suchmaschinen findet um 12 Uhr am 1. April 2017 statt.

#1.April